Kingman – Needles CA

Samstag, 16. Juni bis Sonntag 17. Juni 2012 – 53. und 54. Reisetag

Wir erreichen Kingman – und kurz vor Ladenschluss – auch noch das Visitor Center. Auf der Liste der Aktivitäten wird uns im „Lombardo’s Sicilian Grill“ ein „Wine Tasting & Food Pairing“ empfohlen. Da wir nicht wissen, wie gut das Restaurant besucht wird, fahren wir für eine Reservation zuerst dorthin. So lernen wir noch einen weiteren Teil von Kingman kennen. Dann geht es auf die Suche nach einem Motel, nach Möglichkeit mit einem Zimmer auf dem Erdgeschoss, damit wir unsere Koffer nicht eine Treppe hinauf tragen müssen. Bereits im zweiten Motel werden wir fündig, im Best Western Plus. Interessant, dass uns Kingman gleich wieder gefällt und dass wir uns fast „wie zu Hause“ fühlen. Zur Ehrenrettung der Stadt halten wir hier auch fest, wie sich der Samstagabend gestaltet hat:
Die Präsentation der Weine erfolgt durch den Besitzer der „Zeppelin Winery“. Um sechs beginnt das Essen mit Apéro und Weisswein. Leider ist der Weisswein etwas zu warm. Es werden laufend verschiedene Häppchen serviert, zu denen man jeweils einen Wein aussuchen konnte. Die Degustation lief noch, als der Wirt einen Wein aus seinem eigenen Rebgebiet zum Probieren servierte. Kurz darauf war die Zeppelin-Vorführung zu Ende. Als wir zahlten, fragte uns die Dame, die uns bediente, ob wir aus Kingman seien. Unsere Antwort muss am Stammtisch wohl die Runde gemacht haben. Sie flüsterte, wir sollen noch sitzen bleiben, derweil die meisten Gäste das Restaurant verliessen. Es gäbe noch Pizza und Chianti. Ein Wort gab das andere und schliesslich wurden wir vom „harten Kern“ an ihren Tisch eingeladen. Der Wirt, der Ingenieur mit Frau, der Zahnarzt mit Begleitung, der sogar das Romanisch in der Schweiz kennt! Er habe ja schliesslich studiert. So nach elf verliessen wir das Lokal. Es war das einzige Mal, dass wir so viele Stunden in einem amerikanischen Restaurant verbracht hatten. Silvia fährt souverän ins Motel zurück, obwohl die Strassen nur dürftig beleuchtet sind. Die Leute in Kingman sind nett und korrigieren unseren ersten Eindruck. Wir werden diesen Ort in guter Erinnerung behalten.

† Vitto Lombardo: Wie wir erst beim Eintrag in unsere Webseite erfahren haben, ist der Besitzer Vitto Lombardo nur wenige Monate nach unserem Besuch am 29. November 2012 verstorben. Dem Nachruf entnehmen wir seine Grosszügigkeit, die wir selber erfahren durften. Wir haben eine Foto als Erinnerung auf die Webseite gestellt, mit der wir ihm ein treues Andenken bewahren.

 

Jim Hinkley: Mittlerweile zählen wir auch den preisgekrönten Fotografen und Schriftsteller Jim Hinkley und seine Frau Judy  aus Kingman zu unserem Freundeskreis. Jim setzt sich sehr für Kingman und die Route 66 ein. Er hat eine ganze Anzahl Bücher verfasst. Ganz besonders gefällt mir „The Route 66 Encyclopedia“. Ein gelungenes Nachschlagewerk mit Beiträgen zur Orten und Personen, welche die Geschichte der Route 66 abdecken.

Sonntag, 17. Juni 2012 – 54. Reisetag

Vor der Wegfahrt muss ich noch Fotos hinunter laden, damit ich wieder genügend freie Speicherkarten habe. Das alles dauert. Aber wir schaffen es, das Zimmer um 11.00 h zu verlassen. Am Ortsausgang besuchen wir noch einen Autohändler, der eine recht grosse Sammlung alter Fahrzeuge hat.


Dann machen wir uns auf den Weg durch den „Wash“, der in den Reiseführern bei Regen als äusserst gefährlich beschrieben wird. Wir kommen plötzlich auf eine „unpaved road“, die am gegenüberliegenden Gebirgszug an einem“ dead end“ abgesperrt ist. Da unser Navi gewisse Orte nicht zu kennen scheint, fahren wir auf diesem Weg nochmals zurück nach Kingman. Gegen 13.00 h versuchen wir es noch einmal. Wir sind in der Tat an einer der ersten Kreuzungen nicht abgebogen, sondern geradeaus gefahren. Wir hätten es merken müssen. Keine Route 66 Schilder mehr und die nicht geteerte Strasse war in meiner Roadmap nicht vorgesehen.

Cool Springs – Sitgreaves

Wir stossen auf einem nett restaurierten Laden aus dem Jahre 1926, wo es aber nichts zu essen gibt. Danach entdecken wir „Ed’s Camp and Kactus Kafe“. Hier soll der einzig Saguaro Cactus an der Route 66 wachsen. Das Land ist als Privatbesitz markiert und darf nicht betreten werden. Aus der Ferne können wir nichts entdecken. Weiter geht es über Haarnadelkurven auf den Sitgreaves-Pass, der mit 1802 M. ü. M. zwar nicht besonders hoch, dafür aber umso gefährlicher ist. Die Strasse ist eng und die Seiten sind nur an einigen wenigen Stellen mit Felsen oder Leitplanken geschützt.

Jetzt sind die Bremsen gefordert. Vorbei an Überbleibseln aus der Goldgräber-Zeiten. Gegen 15.00 h erreichen wir Oatman und spazieren durch den Ort. Eine reine Touristenfalle, mit einer ganzen Anzahl Eseln auf der Strasse. Auch logiert im „Hotel“ niemand mehr. Die einen empfehlen, die Esel nicht zu füttern, die anderen verkaufen Tierfutter… Die ersten Tiere marschieren bereits ab, den Hang hinauf. Sie haben offenbar heute bereits genügend zum Fressen gekriegt. Um halb vier Uhr scheint der Feierabend zu beginnen, denn die ersten Geschäfte räumen ihre Auslagen ab. Wir genehmigen uns ein kaltes Plättli mit live Western Musik. Draussen ist es 39 Grad!

Zu viele Esel auf der Strasse?
Die Rede ist natürlich von den wilden Eseln in der Gegend um Oatman. Wie der Route 66 News vom 5.1.2017 zu entnehmen ist, vermehren sich die 2,000 wilden Esel in der Gegend jährlich um 20 %. Das „S Bureau of Land Management“ hat das Problem analysiert, verfügt aber nicht um genügend Mittel, um es zu lösen. Vor etwa einem Jahr hat das Mojave County eine Jagdsaison vorgeschlagen. Diese Idee wurde jedoch „abgeschossen“. Die Diskussionen gehen weiter…
(Die Route 66 News sind mit der Option versehen, den Bericht in die deutsche Sprache zu übersetzen.) 

Strassensperrung

Wie Ron Warnick heute in „Route 66 News“ berichtet, wird die Oatman Road bei Topock für den Bau einer vorfabrizierten Brücke gesperrt. Für Besucher von Oatman – jährlich 500‘000 –  ist gemäss ADOT eine Umfahrung von 24 Meilen nach Needles, CA signalisiert. (2017-03-13)

Über eine kurvenreiche Strasse geht es durch ein wüstenähnliches Gebiet – ein Vorbote für die morgige Fahrt durch die Wüste? – nach Topock hinunter. Wir verlassen Arizona.

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