Torrey – Hanksville

Samstag, 2. Juni 2012 – 39. Reisetag

Wasser spritzt mir an die Beine, als ich um sechs Uhr die Zimmertüre öffne und vor das Haus trete. Merkwürdig, die Sonne scheint. Keine Wolke am Himmel. Es ist die automatische Rasenbewässerungsanlage! Wir starten in Richtung Hanksville, wo wir „am Ende der Welt“ ein Motel für eine Nacht reserviert haben, da hier praktisch keine anderen Möglichkeiten bestehen. Auf den rund 50 Meilen auf der UT-24 E entdecken wir auf beiden Seiten interessante massive Felsformationen, die uns anfänglich vertraut vorkommen. Dann tauchen sandige Gebilde auf. Auch die Farben verändern sich. Alle Fotos dieser interessanten Eindrücke haben wir auf voller Fahrt geschossen.

Hanksville

Das BLM, das „Bureau of Land Management“, das die Parks betreut, ist am Wochenende geschlossen… So aber finden wir das lokale US Post Office. Wir kaufen 10 Briefmarken für die Schweiz. Ganze drei Marken hat sie am Schalter noch vorrätig. Für die restlichen sieben Karten holt sie Nachschub aus dem Tresor und wir erhalten weitere 21 Marken mit drei verschiedenen Stückelungen… Unvorstellbar für uns, dass ein Postamt bei einen solchen Grossauftrag strategische Probleme hat. Hanksville ist ein kleiner Ort an der Kreuzung Hwy 24 und Hwy 95 und zählt etwas über 200 Einwohner. Drei Tankstellen, davon eine mit Dorfladen und Restaurant, wo sich am Samstagabend die Dorfjugend trifft. Um 21.00 h ist allerdings Ladenschluss. Glücklicherweise können wir bereits um 10.00 h einchecken und das für uns vorgesehene Zimmer im ersten Stock gegen ein ebenerdiges tauschen. Ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Besitzer, der allerdings nach meiner Frage nach dem Wetter nicht zum Fenster hinaus sondern in den PC hineinschaute.

Ab Hanksville geht die UT-24E in nördlicher Richtung. Bis zu unserem nächsten Ziel sind es rund 60 km. Wir erleben aber auf dieser kurzen Strecke eine weitere farbliche Vielfalt von interessanten Felsformationen. Wir hätten dieses Ziel auch direkter über eine recht lange „dirt road“ anfahren können. Die Informationen über den Strassenzustand waren aber wiedersprüchlich, weshalb wir den „Umweg“ über Hanksville gewählt hatten.

„Little Wild Horse Canyon“

Zum „Little Wild Horse Canyon“ führt eine asphaltierte Strasse. Dann geht es vom Parkplatz zu Fuss einige hundert Meter in den Canyon hinein, bis ein grosser Felsbrocken den Weg versperrt und die Besucher zwingt, über einen zuerst steilen und dann engen Felsen zu steigen, bis der Pfad nur noch zwanzig Zentimeter breit ist, wo man nur noch in geduckter Haltung weiterkommt und als Abschluss einen grossen Sprung hinunter zum weiteren Weg. Ich habe es mit Hilfe eines Amerikaners geschafft und konnte danach mit eigener Kraft wieder aufrecht weiter gehen. Es war Samstag und es hatte einige Leute im Canyon. Wir waren wohl zur richtigen Tageszeit dort aber die Wolken überzogen den Himmel und das Licht war nicht optimal. Zum Glück gab es den Wind, denn sonst wäre die Temperatur bei über 30 Grad wohl noch mühsamer gewesen. Dies war auch der Grund, weshalb ich mich im Hotel nach dem Wetter erkundigte, denn in diesem Slot-Canyon möchte ich nicht unbedingt einem Wasserstrom begegnen. Einige Stellen waren so schmal, dass man den Bauch einziehen musste. An anderen Stellen musste man schräg den Wänden entlang laufen. Zum Glück ist der Canyon nicht so bekannt wie der Antelope, den wir in wenigen Tagen besuchen werden. Es herrscht deshalb kein Gedränge. Eher matte Braun-, Gelb- und leichte Rottöne dominieren das teilweise verwitterte Gestein, das mit seinen Löchern auch schon mit Schweizer Käse verglichen wurde. Beim Rückweg wählten wir eine andere Option, die nach einer Rutschpartie auf dem Fels und einem anschliessenden Sprung über 1.5 Meter endete. Ich habe es mit Hilfe von zwei Amerikanern geschafft.

„Goblin Valley“

Nur eine halbe Stunde später blicken wir bereits auf das benachbarte Goblin Valley hinunter, das nur etwa zwei Kilometer lang und einen Kilometer breit ist.
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Wir sind beinahe Erschlagen vom Ausblick auf die vielen hundert Kobolde – übersetzt: Goblins –, die uns hier unten erfreuen, geschaffen von Wind und Wetter und der Erosion über tausende von Jahren. Aus der Nähe sehen die mehrere Meter hohen Steinskulpturen aus, als ob sie von Lehm geformt wurden. Leider waren die Lichtverhältnisse nicht optimal, dafür war unser Rundgang bei einem leichten Lüftchen durch diese Figuren in allen möglichen Formen recht angenehm. Für uns eine bleibende, unvergessliche Erinnerung. Als Inhaber eines Utah-Jahrespasses mussten wir hier keinen Eintritt bezahlen.

Nach der Ankunft im Motel war ich so geschafft, dass ich mich zuerst einmal zwei Stunden ausruhen musste, während Silvia die Laundry benutzte und den PC in Gang setzte. Es gab aber doch noch ein Nachtessen, bevor der Laden früh die Lichter löschte. Wir notieren zwei weitere tollen Erinnerungen.