Canyon de Chelly

Dienstag, 22. Mai 2012 – 28. Reisetag

Canyon de Chelly National Monument

Das ganze Gebiet dieser Felsschlucht erstreckt sich über 340 km² und umfasst den Canyon de Chelly mit etwa 43 km, der Canyon del Muerto mit 29 km und den Monument Canyon mit 16 km Länge. Diese können nur auf geführten Touren besucht werden. Wir haben uns für die Ganztagestour entschieden, auf einem Lastwagen mit 24 Sitzplätzen. Zwei Plätze braucht die Kühlbox, die unser Chauffeur und Guide mitbringt. 10 Personen nehmen teil, also für jeden zwei Sitzplätze. Wir haben richtig gewählt. Beide preislich günstigeren Halbtagestouren waren eng besetzt und voll ausverkauft (Bild 12). Wir hingegen haben genügend Platz. Silvia und ich sitzen auf den hintersten Bänken, werden dafür aber auf der gegen acht Stunden dauernden Fahrt arg durcheinander geschüttelt. Es geht über einen 60-Meilen (!) Rundkurs. Zuerst über eine breite Sandpiste in den Canyon hinein und durch die Gegend, die wir gestern Abend bereits vom Rim aus teilweise bewundern konnten. Weiter geht die Fahrt durch ausgetrocknete oder mit Wasser vollen Bachbette, über Jeep Trails (zu Hause würden wir sagen, äusserst schlecht unterhaltene Wanderwege) wie auch über steile Auf- und Abfahrten; Es ist äussert schwierig, beim Fotografieren ein Motiv im Sucher der Kamera zu bestimmen. Es schüttelt und rüttelt und es geht nach dem Zufallsprinzip. Schon bald entdecken wir die ersten Felszeichnungen, die wir ohne unseren Guide wohl kaum bemerkt hätten.

„First Ruins“

Der Canyon ist seit tausenden von Jahren bewohnt. Die heutigen Bewohner haben ihre Unterkünfte bzw. Wohnwagen in der Ebene, meist gut hinter Büschen oder Hügeln getarnt. Kontakte hat man mit den Einheimischen nur beim obligaten „Verkaufsstopp“. Die Fahrzeuge, mit denen die angebotenen Waren zugeführt wurden, machen keinen schlechten Eindruck, was zur Annahme verleitet, dass es diesen Navajos so schlecht nicht geht. Mit den „Ledge Ruins“ entdecken wir die ersten Behausungen in den Felshöhlen. Kurz darauf erreichen wir die beeindruckenden „First Ruins„. Sie bestehen aus 22 Räumen und 2 Kivas,. was Zeremonien- und Versammlungsräume für die Clans bedeuten.

„White House Ruins“

Die Fahrt geht weiter vorbei an verschiedenen anderen Ruins in Felshöhlen und vorbei an interessanten Wandmalereien. Wir erreichen das angekündigte Ziel. Diese Ruinen gehen zurück auf eine Zeit um 1200 ad und gehören zu den ältesten im Canyon. Dies ist der einzige Ort im Canyon, den man sich – auf einem Weg vom Rim hinunter – ohne Führer ansehen kann. Aus irgendwelchen Gründen wird hier unser Fahrzeug ausgewechselt. Warum bleibt ein Rätsel, wie vieles bei den Navajos.

„Mummy Cave Ruins“

Bei der Fahrt in den Canyon del Muerto hatten wir das Gefühl, als ob uns zwei Augen aus dem Felsen beobachten. Diese Ruinen waren seit Beginn der Besiedlung vis ca. 1300 bewohnt.Mit über 80 Räumen und drei Kivas ist es eine der grössten Ansiedlungen im Canyon.

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Bei der vorstehenden Aufnahme ist mir möglicherweise in der Hitze die Fantasie mit mir durchgegangen. Ich sehe im Bild eine Gruppe, die im Schatten einen Mittagshalt macht. Das erinnert an den Lunch, von dem ich keine Aufnahme machte. Nur den leeren Sitz auf dem Camion symbolisiert die Pause. Die Amerikaner – zwei Paare und zwei Frauen – machten sich ohne ein Wort mit uns zu wechseln, auf dem einem Tisch breit. Die Amerikaner unterhalten sich nur untereinander. Sie sind wohl „etwas Besseres“, oder ist das Ausgrenzung? Wir „Ausländer“ mit dem Paar aus England auf Hochzeitsreise, Sie eine Serbin, er ein Ungar, durften uns an den zweiten Tisch setzen. War dies Rassismus, Ausgrenzung oder Ausländerfeindlichkeit?  Was auch immer. Wir hatten jedenfalls eine angenehme Unterhaltung und viel Platz… Nach dem Essen ein einziges dummes Wort einer der Damen, die sich plötzlich auf dem Camion bei uns hinten breit machte, weil sie wohl gemerkt hat, dass sich dort viel besser fotografieren lässt…
Auf dem Rückweg dürfen wir noch einige weitere Eindrücke dieser einzigartigen Landschaft geniessen. Nach der Rückkehr sind wir total geschafft; vermutlich vom Wind und total durchgeschüttelt. Die Eindrücke, die wir vom Canyon de Chelly mitnehmen, sind eindrücklich und unvergesslich. Ein tolles Erlebnis. Ein weiterer Höhepunkt.
Um halb sieben essen wir nochmals im Canyon-Restaurant. Wir müssen uns beeilen, denn um halb acht wird geschlossen! Silvia beschliesst den Tag um halb neun und nachdem die Batterie im Notebook leer ist, gebe ich um kurz vor neun auch auf! Morgen werden wir wieder selber Fahren; auf der Strasse, nicht im Sand.