Windslow – Page

Samstag, 26. Mai 2012 – 32. Reisetag

Nur ungern verlassen wir Winslow, das einen Besuch wert ist. Die Dame an der Rezeption warnt uns beim Auschecken vor den Windböen, die wir wenig später auf dem Highway spüren. Manchmal drängen diese die Brummies um einen Meter auf die Seite. Die Sicht ist soweit gut, nur die Fernsicht ist gelb. Der Sandsturm! Ein Road Wanderer hat auf eine besondere Aussicht an einem „dead end“ aufmerksam gemacht. Es war für uns ein Ausblick auf den Sandsturm und wieder einmal auf ein „dead end“. Die Berge haben wir erst später gesehen. Also wieder zurück und dann auf der „Frontage road“ weiter, diesmal wieder links vom Highway.

„Meteor City“

Eine Stadt mit diesem Namen hat es nie gegeben. Dieser „Geodesic Dome“ mit einem Kamm  auf dem Dach war ein „Trading Post“ und natürlich ein begehrtes Fotoobjekt, „a Dreamcatcher“. Das Angebot hat uns aber nicht aus den Schuhen gehauen und wir sind nach wenigen Minuten bereits wieder weggefahren. ;-( Wie den Berichten aus Amerika zu entnehmen ist, wurde das Gebäude 2013 aufgegeben und verlassen. Der Zustand verschlechtert sich jeden Tag in der Wüstensonne. Die Karte liegt am Boden. Welches ist denn nun die längste Karte der Route 66?

„Meteor Crater“

Der „Barringer Crater“, wie er auch genannt wird, hat einen Durchmesser von etwa 1200 m und eine Tiefe von 180 m. Er ist durch den Einschlag eines Meteoriten von 50.000 Jahren entstanden. Im Besucherzentrum mit Museum wird unter anderem ein Original einer Raumkapsel aus den 1960er Jahren gezeigt. Auf dem Crater blies der Wind leider so heftig, dass man sich auf der Terrasse kaum bewegen konnte. Nach dem eindrücklichen Film hielt uns dann nur noch das offene Fenster auf die Landschaft.

„Two Guns“

Nach weiteren zehn Meilen erreichen wir eine sehr bekannte aber recht seltsame Geisterstadt, die völlig abgesperrt und gesichert ist. Vor dem Betreten wird gewarnt. Früher war es eine Touristenfalle. Das Land ist – ich glaube schon seit Jahren –  zum Verkauf ausgeschrieben. . Gerüchten zufolge soll ein Oskar-Preisträger das Land erworben haben. Die Geschichte ist kompliziert

Mein Freund und Präsident der Holländischen Route 66 Organisation, Dries Bressels, hatte 2014 Gelegenheit, mit zwei weiteren anerkannten Route 66 Experten das Gebiet zu  besichtigen. Mit Unterstützung einer ganzen Anzahl von Route 66 Kennern hat er die Geschichte von „Two Guns“ in einer detaillierten Dokumentation festgehalten und mit einen Mix aus alten und neuen Bilder ergänzt. Weitere Bilder sind auch auf der Homepage der „Dutch Route 66 Association“ publiziert.
Roamin Rich hat drei sehenswerte Videos produziert:

 „Twin Arrows“

Wie andere Ikonen auf der Route 66 hat „Twin Arrows“ auch schon bessere Tage gesehen. Die Gebäude wurden 1948 als „Canyon Padre Trading Post“ gebaut. 1955 hat ein neuer Eigentümer die „Twin Arrows“ in den Boden gerammt, mit dem Ziel, dass sie wachsen mögen in eine erfolgreiche „Roadside Oasis“. Sie wurden irgendwann einmal neu gestrichen. Nach  verschiedenen Handänderungen ist die Anlage mit dem Café und dem Restaurant seit 1995 geschlossen. Sie wird leider nicht mehr unterhalten und ist dem Zerfall ausgesetzt. Nachdem nun auch noch die Strasse als Zubringer zum Highway dient, wurde das Areal und die Strasse mit Betonklötzen getrennt, so dass ein ordentliche Parkieren und Betreten des Gebietes nicht mehr möglich ist.

Winona

Dieser Ort wurde durch den Song „Get Your Kicks on Route 66“ bekannt. Die Brücke über den Walnut Creek steh noch, kann aber nicht mehr befahren werden. Entgegen vielen Hinweisen ist
Winona keine Geisterdorf mehr. Dort wo wohl früher der bekannte „Trading Post“ gestanden hat, befindet sich eine Unternehmung, die wohl für Arbeitsplätze sorgt. Eine stattliche Anzahl neuer Häuser wurden in diesem heue zu Flagstaff gehörenden Ort gebaut.

An diesem Ort, kurz vor Flagstaff verlassen wir wieder einmal die Route 66. Wir brechen auf eine Rundreise durch Utah auf, wo wir uns den Canyons widmen werden. Nachdem die Webseite vornehmlich der Route 66 gewidmet ist, werde ich die Kommentare nun etwas kürzer fassen. Wir treffen uns in 14 Tage in Flagstaff wieder.

Sunset Crater Volcano

Wir wählen die US-89 N mit dem Ziel Page am Lake Powell und fahren in Richtung des Vulkans, der die Gegend vor 800 Jahren mit schwarzer Lava geprägt hat. Schon nach rund 10 Meilen biegen wir rechts ab auf eine 67 Meilen lange Loop Road, die am Wupaki National Monument vorbei führt, das vor 800 Jahren der grösste Ort in dieser Gegend gewesen sein soll. Mit einem letzten Blick zurück auf den schon in weiter Ferne liegenden „Painted Desert“.

Auf der US-89 N fährt Silvia. Ich erwache erst, als sie die 1911 erbaute „Suspension Bridge“ erwähnt, die heute für den Verkehr gesperrt ist und nur noch eine Gasleitung trägt. Wir sind ja nicht mehr auf der Route 66 und ich werde nicht mehr jede Brücke fotografieren. Also weiter!

„Coal Mine Canyon“

Silvia hat auch Zweifel, als ich sie plötzlich auf weitem Feld zum Abbiegen veranlasse. Wir fahren über Tuba City, etwa 25 Meilen, bis ich sie beim Anblick eines grossen Windrades zum Abbiegen auf eine Sandpiste motiviere. Das ist der einzige Hinweis, den wir haben, dass hier ein Canyon versteckt wird. Kein  Wegweiser und keine Signalisation! Auch vom Betreten wird dringend abgeraten. Wir fahren noch einige Meter, dann steigen wir aus und haben plötzlich einen überwältigenden Ausblick in den „Coal Mine Canyon“ vor uns. Wir verstehen bald, weshalb er in der Sprache der Indianer übersetzt Sägezahn oder gezacktes Land bedeutet. Ein fantastischer Ort!

Unbenanntes_Panorama2

Ein Zaun verhindert das weitere Erforschen auf dem Rim und bei diesem kräftigen kalten Wind wäre das Risiko auch zu gross. Also zurück auf den sicheren Highway in schöner Abendstimmung. Wir erreichen Page und lassen den Tag bei einem guten italienischen Essen ausklingen.